Toast Hawaii ist ein Klassiker, der in zehn Minuten Vorbereitung und rund zehn Minuten Ofenzeit auf dem Tisch steht. Getoastetes Brot, gekochter Schinken, Ananas aus der Dose, eine Scheibe Schmelzkäse, oben drauf eine Cocktailkirsche. Mehr braucht es nicht. Wer das Gericht nur als Kneipenessen oder Partykitsch kennt, unterschätzt es: Richtig gemacht ist es ein deftig-süßer Überbackener Käsetoast mit knuspriger Basis, einer saftigen Mitte und einer goldbraunen Käsehaube.
Die Geschichte ist gut belegt. Der hessische Fernsehkoch Clemens Wilmenrod präsentierte den Toast Hawaii 1955 in seiner Sendung „Bitte, in zehn Minuten zu Tisch“ im westdeutschen Fernsehen. Das macht ihn zu einem echten 1950er Jahre Klassiker, und der Hessische Rundfunk feierte ihn entsprechend als Jubilar, der 70 wurde. Bis in die 1970er Jahre war er in vielen Familien ein regelmäßiges Wochengericht, ab den 1980ern wanderte er auf Partybuffets und in die Kneipenkarte. Das Gericht ist also älter als sein Ruf als Retro-Gag.
Die klassische Zusammensetzung steht fest: Toast, Schinken, Dosenananas, Schmelzkäse und Cocktailkirsche. Interessant ist ein Detail, das gern vergessen wird. Der ursprüngliche Prototyp von 1955 enthielt keine Cocktailkirsche. Sie kam später als Farbtupfer dazu und gehört heute so selbstverständlich dazu, dass sie fast als Pflicht gilt. Wer sie weglässt, kocht also näher am Ursprung.
Der Trick liegt weniger im Rezept als in drei Handgriffen. Der Toast wird vor dem Belegen kurz angeröstet, damit die Basis nicht matschig wird. Die Ananas wird gründlich abgetupft, weil Saft aus der Dose sonst genau dorthin läuft, wo es nicht hin soll. Und der Ofen läuft heiß genug, dass der Käse Farbe bekommt, bevor das Brot austrocknet. Wer diese drei Punkte beachtet, bekommt Gratiniertes Toastbrot mit Biss statt einer weichen Scheibe, die beim Anheben durchhängt.
Das Ganze braucht keinen Spezialkram. Ein Backblech, Backpapier, ein Toaster oder die Pfanne zum Anrösten, mehr nicht. Dazu passt ein Salatteller, ein paar Gewürzgurken oder einfach gar nichts. Für den Dienstagabend ist das genau das richtige Maß an Aufwand.
Zubereitung
Die Mengen für vier Toasts stehen in der Zutatenkarte oben. Hier geht es um die Reihenfolge, denn an der hängt das Ergebnis.
Ofen und Blech vorbereiten
Heize den Ofen auf 180–200 °C Ober-/Unterhitze vor und lege ein Backblech mit Backpapier aus. Die Quellen von Swissmilk, Familienkost.de und Chilirezept.de nennen diesen Bereich übereinstimmend, die Einschubhöhe ist die mittlere Schiene. Heißluft geht auch, trocknet das Brot aber schneller aus. Bleib daher lieber bei Ober-/Unterhitze.
Ein Ofen, der noch nicht auf Temperatur ist, rächt sich hier besonders. Dann sitzt der Toast zu lange drin, bevor der Käse schmilzt, und das Brot wird hart statt knusprig.
Toast anrösten
Röste die Toastscheiben kurz an, entweder im Toaster auf niedriger bis mittlerer Stufe oder in einer trockenen Pfanne etwa eine Minute pro Seite. Die Scheiben sollen Farbe am Rand und eine leicht feste Oberfläche bekommen, aber nicht durchgetoastet sein. Sie kommen ja noch einmal in den Ofen.
Dieser Schritt wirkt unscheinbar, ist aber die Versicherung gegen matschige Basis. Eine leicht getrocknete Oberfläche nimmt weniger Feuchtigkeit aus Schinken und Ananas auf. Streiche danach die weiche Butter hauchdünn auf. Sie gibt Aroma und bildet noch eine kleine Barriere.
Ananas abtupfen
Lass die Ananasringe auf einem Sieb abtropfen und tupfe sie beidseitig mit Küchenpapier ab. Gründlich, nicht nur einmal drüberwischen. Das ist der Punkt, an dem die meisten Toasts scheitern: Wer die Ringe tropfnass auflegt, hat nach fünf Minuten im Ofen ein Brot, das sich wie ein nasser Schwamm anfühlt.
Den Saft aus der Dose kannst du übrigens trinken oder für ein Dressing aufheben. Auf dem Toast hat er nichts verloren.
Belegen mit Schinken, Ananas und Käse
Lege auf jede angeröstete Scheibe eine Scheibe gekochten Schinken. Falte ihn, wenn er größer ist als das Brot, damit nichts über den Rand hängt und auf dem Blech verbrennt. Darauf kommt ein Ananasring, mittig platziert, und darüber die Scheibe Schmelzkäse. Sie darf die Ananas ganz bedecken, denn der Käse schützt sie vor dem Austrocknen und bildet die goldene Haube.
Setze die Cocktailkirsche erst jetzt in die Mitte des Ananasrings. Das sieht nach 1955 aus und schmeckt nach einem kleinen süßen Akzent. Wer sie nicht mag, lässt sie einfach weg.
Überbacken im Ofen: Temperatur und Dauer
Schiebe das Blech auf die mittlere Schiene. Die Garzeiten für Toast Hawaii liegen in den Quellen zwischen 8 und 15 Minuten bei 180–200 °C, je nach Ofen und danach, wie dunkel du den Käse magst. Als Richtwert für diese Mengen reichen im Normalfall 10 Minuten, der Rest ist Sichtkontrolle.
Bei 180 °C brauchst du eher die obere Hälfte der Zeitspanne, bei 200 °C die untere. Das Anrösten im Toaster oder in der Pfanne kommt vorher dazu und zählt nicht zur Ofenzeit.
Erkennungsmerkmale der perfekten Gare
Der Toast ist fertig, wenn drei Dinge zusammenkommen. Der Käse ist komplett geschmolzen und wirft kleine Blasen. Die Ränder haben goldbraune Flecken. Und die Brotkante ist fest, wenn du sie mit dem Finger antippst. Hängt der Käse noch in Scheiben über der Ananas, braucht er ein, zwei Minuten mehr. Ist er hellbraun bis dunkel, ist er schon an der Grenze.
Nimm die Toasts direkt nach dem Backen vom Blech und serviere sie sofort. Kondenswasser vom heißen Blech weicht den Boden sonst von unten auf.
Reste und zweite Portion
Übrig gebliebene Toasts gehören abgedeckt in den Kühlschrank bei unter 5 °C. Nach Angaben von eat.de solltest du Reste maximal ein bis zwei Tage so lagern, die Faustregel des BfR geht für Speisereste insgesamt von höchstens drei bis vier Tagen aus. Beim überbackenen Brot mit Schinken ist die kürzere Spanne die klügere Wahl, weil die Textur ohnehin schnell nachlässt.
Am besten funktioniert das Aufbacken im Ofen auf dem Blech, bis der Toast durch und durch heiß ist und der Käse wieder leicht Blasen wirft. Die Mikrowelle macht ihn zäh und weich zugleich. Wer die Reste lieber umbaut: Würfle den kalten Toast und mische ihn unter einen Salat mit Gurke und Joghurtdressing.
Original-Beleg
Die älteste belegbare Fassung stammt aus dem Fernsehen, nicht aus einem Kochbuch. Clemens Wilmenrod, der als einer der ersten Fernsehköche Westdeutschlands gilt und aus Hessen stammt, stellte den Toast Hawaii 1955 in der Sendung „Bitte, in zehn Minuten zu Tisch“ vor. Das nennt sowohl die deutsche Wikipedia als auch der Hessische Rundfunk, der das Gericht in seiner Reihe „Die Ratgeber“ als Erfindung des Fernsehkochs und als 1955 entstanden würdigt.
Der Name verweist auf die Ananas, die in der Nachkriegszeit als Sinnbild für Ferne und Exotik galt. Die klassische Zusammensetzung aus Toast, Schinken, Dosenananas, Schmelzkäse und Cocktailkirsche wird in der Praxis meist als die Standardfassung genannt. Dass der Prototyp von 1955 noch ohne Cocktailkirsche auskam, führt unter anderem hoeffner.de aus. Ein genaues Originalrezept mit Mengen aus der Sendung liegt in den recherchierten Quellen nicht vor, deshalb folgt die Zubereitung oben der übereinstimmenden Praxis aus Swissmilk, Familienkost.de und Chilirezept.de.
Zur Rezeption: Bis in die 1970er Jahre stand der Toast Hawaii als reguläres Wochengericht auf vielen Familientischen. Ab den 1980er Jahren wurde er zum Party- und Kneipenessen und bekam damit das Retro-Image, das ihm bis heute anhängt.
Varianten
Der klassische Ananasschinkentoast lässt sich gut abwandeln. Keine der folgenden Fassungen ist die bessere, es sind schlicht andere Geschmacksrichtungen für den gleichen Ablauf. Die Zutaten des Hauptrezepts bleiben jeweils bestehen, hier steht nur, was sich ändert.
Mit Gouda statt Schmelzkäse
Tausche die vier Scheiben Schmelzkäse gegen vier Scheiben Gouda oder Emmentaler (zusammen ca. 100 g). Das Aroma wird kräftiger und der Käse fädiger. Er bräunt etwas langsamer, du brauchst daher eher 10–12 Minuten bei 200 °C. Der Käse sollte in Scheiben und nicht gerieben aufgelegt werden, sonst trocknet er schneller aus.
Mit Senf und Curry
Bestreiche den angerösteten Toast statt mit Butter dünn mit mittelscharfem Senf (ca. 1 EL für alle vier Scheiben) oder gib eine Prise Currypulver auf den Schinken. Das bringt eine würzige Kante gegen die Süße der Ananas. Die Garzeit bleibt bei 8–12 Minuten bei 180–200 °C, ein bisschen weniger Zeit reicht, wenn der Senf direkt auf dem Brot liegt.
Mit Tomate statt Ananas
Wer keine süße Frucht auf dem Brot mag, legt zwei Tomatenscheiben pro Toast (insgesamt 2 mittelgroße Tomaten) auf den Schinken und tupft sie wie die Ananas trocken. Dazu passt etwas getrockneter Oregano. Das Ergebnis ist ein herzhafter Überbackener Käsetoast, der in 8–10 Minuten fertig ist.
Als Blechvariante für mehr Personen
Für größere Runden legst du die Scheiben dicht nebeneinander auf ein ganzes Blech. Mit sechs bis acht Toasts bleibt die Garzeit bei 10–12 Minuten bei 200 °C auf der mittleren Schiene, nur ein Blech auf einmal. Zwei Bleche gleichzeitig verlängern die Zeit und der Käse bräunt ungleichmäßig.
Häufige Fragen
Wer hat den Toast Hawaii erfunden?
Der Fernsehkoch Clemens Wilmenrod aus Hessen stellte den Toast Hawaii 1955 in der Sendung „Bitte, in zehn Minuten zu Tisch“ vor. Der Hessische Rundfunk nennt ihn ausdrücklich als Erfinder.
Gehört eine Cocktailkirsche auf den Toast Hawaii?
In der klassischen Zusammensetzung ja, sie gehört heute dazu. Der Prototyp von 1955 hatte sie allerdings noch nicht. Ob sie drauf kommt, ist also Geschmackssache.
Bei welcher Temperatur und wie lange backt man Toast Hawaii?
Die Quellen nennen 180–200 °C Ober-/Unterhitze auf der mittleren Schiene und Garzeiten zwischen 8 und 15 Minuten. In der Regel sind rund 10 Minuten ein guter Richtwert, bis der Käse geschmolzen und leicht gebräunt ist.
Warum wird mein Toast Hawaii matschig?
Meistens liegen die Ananasringe zu feucht auf dem Brot oder der Toast wurde nicht vorher angeröstet. Beides lässt sich vermeiden: Ananas gründlich abtupfen und die Scheiben vor dem Belegen kurz anrösten.
Wie lange hält sich Toast Hawaii im Kühlschrank?
Abgedeckt und bei unter 5 °C solltest du Reste nach Angaben von eat.de maximal ein bis zwei Tage aufbewahren. Die BfR-Faustregel für Speisereste liegt bei höchstens drei bis vier Tagen.
Kann man Toast Hawaii auch in der Pfanne oder im Toaster machen?
Die Quellen beschreiben den Ofen. Für Gratiniertes Toastbrot ist die Oberhitze entscheidend, weil nur sie den Käse bräunt. Eine Pfanne mit Deckel schmilzt den Käse zwar, bräunt ihn aber kaum.
Fehler & Rettung
Der Boden ist weich und nass? Dann war die Ananas zu feucht oder der Toast nicht angeröstet. Rettung: Schiebe die Scheiben ohne Belag zurück ins Rohr, nimm den Belag kurz herunter und röste das Brot nach. Beim nächsten Mal Ananas gründlicher abtupfen.
Der Käse ist an den Rändern dunkel, in der Mitte aber noch hell. Das passiert, wenn der Ofen zu heiß oder das Blech zu weit oben eingeschoben ist. Stelle auf die mittlere Schiene und senke die Temperatur Richtung 180 °C.
Das Brot ist hart und trocken. Zu lange im Ofen, meist mit Heißluft. Zu heiß gebacken wird der Rand bitter statt braun. Rettung: Eine Scheibe Käse mehr obendrauf und kürzer backen, oder die Ränder vor dem Servieren abschneiden.
Der Käse läuft vom Blech. Er hängt über den Rand des Toasts hinaus. Falte ihn oder schneide ihn passend zu, damit er nicht auf dem Backpapier verbrennt.
Der Schinken rollt sich ein. Dünne Scheiben ziehen sich in der Hitze zusammen. Falte sie doppelt und lege die Ananas mittig darauf, so hält sie ihn fest.
Der Toast schmeckt zu süß. Dosenananas in Sirup ist deutlich süßer als solche in Saft. Greife zur ungesüßten Variante oder setze einen kräftigen Senfstrich als Gegengewicht.





